Was bewirkt Armodafinil
und was ein
Trainingsprogramm?

Patienten mit potenziell kurativem Speiseröhrenkrebs – therapiert mit Radio-Chemotherapie gefolgt von Esophagektomie – zeigen nach Abschluss eines begleiteten Bewegungsprogramms kleine signifikante Verbesserungen in mehreren Aspekten der Lebensqualität (LQ) und der kardiorespiratorischen Fitness (CRF). Zu diesem Ergebnis kam eine Arbeitsgruppe um Anne Maria May (Utrecht, Niederlande) in der multizentrischen PERFECT-Studie mit 120 Patienten im Alter von 64±8 Jahren. Die Arbeitsgruppe hatte die Patienten im ersten Jahr nach der Operation auf zwei Gruppen randomisiert. Während sich die eine Gruppe einem 12-wöchigen Aerobic- und Widerstandstraining mittlerer bis hoher Intensität (EX-Gruppe; n=61) unterzog, änderte die Kontrollgruppe (usual care; UC-Gruppe; n=59) nichts an ihrer bisherigen körperlichen Aktivität.

 

Lebensqualität und Rollenfunktion verbessern sich durch Bewegungsprogramm

 

Teilnahme und Compliance der EX-Gruppe waren hoch (96% bzw. >90%) – ein Aspekt, der signalisiert, dass die Patienten gut in der Lage sind, ein solches Trainingsprogramm zu absolvieren. Nach Abschluss des Trainings zeigten sich keine signifikanten Unterschiede im globalen Gesundheitsstatus (EORTC-QLQ-30, Range: 0-100) zwischen den beiden Gruppen. Ein anderes Bild zeichnen die Summen-Scores der Sub-Skalen LQ und Rollenfunktion: Die Patienten der EX-Gruppe erreichten einen 3,5 Punkte höheren LQ-Score (95%-KI 0,2;6,8) und einen 9,4 Punkte besseren Rollenfunktions-Score (95%-KI 1,3;17,5; p-Wert jeweils <0,05). Bezüglich der körperlichen Fatigue (MFI-20; Range: 4-20) war der Score in der EX-Gruppe nicht signifikant niedriger (-1,2; 95%-KI -2,6;0,1, p=0,08). Dass die kardiorespiratorische Fitness bei den Trainings-Patienten zunahm, signalisierte die signifikante Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2 peak: 1,8 ml/min/kg; 95%-KI 0,6;3,0). 

 

Einen anderen Ansatz verfolgte die Arbeitsgruppe um Alyx B. Porter (Mayo Clinic, Phoenix, USA): Das Team untersuchte, ob eine Tablette – in diesem Fall Armodafinil, ein Psychostimulans mit geringem Missbrauchspotenzial – eine mittelschwere bis schwere Fatigue bei Patienten mit einem hochgradigen Gliom (HGG) verbessern kann. Das Ergebnis der Placebo-kontrollierten Phase-III-Doppelblindstudie (Alliance A221101) zeigte jedoch keinen signifikanten Nutzen. Beachtenswert ist, dass 150mg Armodafinil in bestimmten Fällen die Konzentrationsfähigkeit erhöht, ohne dabei mit Schlaflosigkeit einherzugehen. Die Arbeitsgruppe hatte HGG-Patienten >4 Wochen nach Beendigung der Strahlentherapie über einen Zeitraum von 8 Wochen entweder auf eine Behandlung mit Armodafinil (150mg bzw. 250mg) oder Placebo randomisiert. Von den insgesamt 328 eingeschlossenen Patienten waren im 150-mg-Armodafinil-Arm 103 Patienten auswertbar, im 250-mg- und Placebo-Arm jeweils 97. Das mediane Alter betrug 60 Jahre (Range: 20-85). Der mediane Brief Fatigue Inventory (BFI, Range: 0-10) mit der schlechtesten Fatigue-Bewertung lag bei 8 (Range: 6-10). 80,5% der Patienten erhielten eine begleitende Chemotherapie, 39,7% Kortikosteroide.

 

Armodafinil ohne bedeutsamen Einfluss auf Fatigue

 

Am Ende der Wochen 4 und 8 war der globale Fatigue-Score (Durchschnittswert der Skalen-basierten Items) niedriger als zu Studienbeginn (p<0,0001). Im 250-mg-Arm lag er unterhalb des Placebo-Scores (p=0,0356) und bei den Patienten mit Kortikosteroiden erreichte er einen höheren Wert als bei den Nicht-Anwendern (p=0,0002). Zwischen den drei Armen wurde kein signifikanter Unterschied einer klinisch bedeutsamen Verbesserung des BFI-Skalen-Items Fatigue bis zum Ende von Woche 8 beobachtet (p=0,9601). Lediglich die Patienten im 150-mg-Arm berichteten, dass sich ihre Konzentrationsfähigkeit in Woche 4 im Vergleich zum Ausgangswert erhöhte (p=0,0311). Bei den neurokognitiven Tests gab es zwischen den Armen keinen signifikanten Unterschied zwischen Ausgangswert und Ende von Woche 4 oder Woche 8 (p-Wert jeweils >0,05). Mit Blick auf Schlafstörungen wurde diese bekannte, häufig auftretende Armodafinil-Nebenwirkung bei mehr Patienten im 250-mg-Arm beobachtet (p=0,0083).

 

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REFERENZEN