Gutes mitnehmen
aus schlechten
Zeiten
 

Die Corona-Krise zwang Arztpraxen, sich rasant umzustellen. Von vielen Neuerungen können Ärzte und Patienten dauerhaft profitieren.


Krise als Beförderer des Fortschritts

 

Krisen sind seit jeher immer auch eine Chance, Dinge dauerhaft zu verändern und zu verbessern. Die Corona-Pandemie zeigt uns beispielsweise, wie elementar digitale Technologien sind. Stellen Sie sich das Krisenszenario nur einmal ohne Internet oder Mobiltelefonie vor! Wäre es nun nicht die richtige Zeit, die Digitalisierung in den Arztpraxen voranzutreiben? Oder die Telemedizin lukrativer zu machen?

 

Was am Ende an Erkenntnissen aus der Corona-Zeit bleibt und welche Fortschritte daraus erwachsen, kann nur spekuliert werden. Im Moment zeigt sich jedenfalls, was alles möglich ist.


Hygiene muss sein – das versteht jetzt jeder!

 

In die aktualisierte Auflage des Leitfadens „Hygiene in der Arztpraxis“ wurde im Februar 2019 unter anderem der Themenbereich Mikroorganismen und angepasste Desinfektionsmittel neu aufgenommen. Ein gutes Jahr später erleben wir auf drastische Weise, wie wichtig es ist, Hygieneverordnungen regelmäßig anzupassen und kompromisslos konsequent umzusetzen.

Die Covid-19 Pandemie ist eine strenge Prüfung in Sachen Hygiene: Verfügt die Praxis über genügend korrekt ausgestattete Handwaschplätze? Beherrschen alle die Regeln zum Umgang mit Desinfektionsmitteln? Ist eine hygienische Aufbereitung von Medizinprodukten gewährleistet? Lässigkeiten, die sich im Praxisalltag möglicherweise eingeschlichen haben, leistet sich in Corona-Zeiten niemand mehr. Das ist gut so und sollte beibehalten werden.


Der Nächste bitte – aber mit Abstand!

 

Überfüllte Wartezimmer, eine Schlange ungeduldiger Patienten am Empfang – auch diese Bilder gehören in die Vor-Corona-Zeit. Heute halten wir Abstand. Auch wenn eines Tages keine 1,50 Meter mehr zwischen zwei Menschen Platz sein muss: Ein entzerrter Personenverkehr hat auch künftig Vorteile. Zum Beispiel könnte es einfacher werden, die Wahrung der Diskretionszone am Empfang durchzusetzen, denn das Abstandhalten ist jetzt gelernt. Auch neue oder veränderte Zeiten für offene Sprechstunden, mit denen Sie übervolle Wartezimmer vermeiden, stoßen bei Patienten jetzt vermutlich auf mehr Verständnis. Ein weiterer positiver Effekt der Corona-Krise ist die Sensibilisierung gegenüber Ansteckungsgefahren. Vielleicht ist ein Patient, der sich kurz vor einer geplanten Kontrolluntersuchung einen Infekt eingefangen hat, jetzt eher bereit, seinen Termin um ein paar Tage zu verschieben, um andere zu schützen.


Praxisalltag mal ganz anders – geht doch!

 

In Corona-Zeiten ist beim Praxisbetrieb Improvisationstalent gefragt. Geschlossene Kitas und Schulen brachten das ärztliche Team in Betreuungsnöte, Betriebsabläufe wurden durcheinandergebracht und musste neu gedacht werden. Wer kann einspringen? Wie kann man Arbeiten effizienter machen? Oder auch: Wer geht kurzfristig in den Urlaub? Was aus der Not geboren wurde, kann uns in der Normalität krisenfester machen: Mitarbeiter zeigen mehr Flexibilität in ihrer Einsatzbereitschaft, Arbeitgeber beim Freizeitausgleich. Auch, wenn geregelte Arbeitszeiten wieder die Norm werden müssen: Die Chance besteht, dass die Erfahrungen aus der Krise die Teamarbeit fördert und sich neue Prozesse etablieren, von denen vorher keiner geglaubt hätte, dass sie gut funktionieren.

 


Kommunikation und Behandlung – auf neuen Wegen

 

Eine Reihe von Sonderregelungen für die ambulante Versorgung macht es möglich, dass Patienten während der Corona-Krise seltener in die Praxis kommen müssen. Ob AU-Bescheinigung per Telefon, unbegrenzte Videosprechstunden oder Folgeverordnungen nach telefonischer Anamnese: Diese Art der Behandlung und Arzt-Patienten-Kommunikation wäre vor der Pandemie nicht denkbar gewesen. Natürlich hat es seine Berechtigung, dass vieles eine Ausnahme bleiben soll. Dennoch wäre es beispielsweise wünschenswert, wenn ein in seiner Mobilität eingeschränkter älterer Patient seine Folgeverordnung per Telefon erhalten könnte. Oder wenn eine Videosprechstunde so attraktiv vergütet würde, dass sie sich in bestimmten Fällen als echte Alternative zu einem Arztbesuch etabliert.


Vorsorge – die Bereitschaft ist gewachsen!

 

Die Corona-Krise macht dünnhäutig. Viele Patienten der Urologie, die zu den Risikogruppen zählen, fürchten sich vor einer Infektion mit SarsCoV-2. Zweifelsfrei ist diese berechtigte Angst belastend für die Betroffenen – doch sie hat auch eine wichtige Funktion: Sie bewahrt sie vor riskantem Verhalten und schützt sie deshalb. Für Sie als Arzt bedeutet das, dass Sie bei Ihren Patienten vermutlich auf offenere Ohren stoßen, wenn Sie zu einer Grippeimpfung (später dann möglicherweise auch zu einer Corona-Impfung) raten oder eine gesündere Lebensweise empfehlen. Zudem erleben Ärzte und Pflegepersonal derzeit eine hohe Anerkennung. Die Menschen erleben eindrücklich, wie sehr sie auf das Fachwissen, die Kompetenz und das Engagement des medizinischen Personals angewiesen sind. Der damit verbundene Respekt dürfte bleiben.