Lassen Sie die
Corona-Krise
nicht zu Ihrer
persönlichen
Krise werden
 

Die Corona-Krise geht an unserer Psyche nicht spurlos vorbei. Vielen Ärzten, die vorher schon am Limit arbeiteten, droht nun eine Überlastung. So können Sie diese verhindern.

 

Zeit, wieder über Burnout zu reden

 

Burnout und Depression waren lange Zeit omnipräsent in den Medien. In den letzten Jahren ist es still geworden um das Thema psychische Überlastung. Jetzt bedroht ein neuartiges Virus nicht nur unsere körperliche, sondern auch unsere seelische Gesundheit. Besonders gefährdet sind Ärztinnen und Ärzte. Sie stehen berufsbedingt per se unter einem hohen Zeit-, Kosten- und Leistungsdruck, 20 bis 30 Prozent litten deshalb auch schon vor der Corona-Krise unter Burnout oder Depression.

 

Nun verlangt die Krise ÄrztInnen noch mehr ab: Sie müssen den Infektionsschutz sichern, Praxisabläufe neu organisieren und Patienten per Telefon oder Videochat betreuen. Die einen sind überarbeitet, andere haben Existenzsorgen. Der veränderte Alltag erfordert Belastbarkeit, Improvisationstalent und Flexibilität. Zeit also, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie man sich vor psychischer Überlastung schützen kann.

 

Anzeichen einer Überforderung

 

Vielen Ärzten fällt es schwer, sich die eigene Überforderung einzugestehen und sich selbst Grenzen zu setzen. Burnout oder Depression werden als Zeichen der Schwäche angesehen, Hilfsangebote wie Balint-Gruppen brauchen immer nur die anderen. Der erste Schritt hin zur Erkenntnis, dass einem der Praxisalltag über den Kopf wächst, sind deshalb oft somatische Beschwerden. Diese Symptome können auf ein Burnout hindeuten***:

 

  • chronische Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • Verspannungen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • kardiale Symptome wie Herzrasen
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • vermeintlicher Bandscheibenvorfall
  • gehäufte Banalinfektionen
  • Zähneknirschen

 

Im Arbeitsalltag äußert sich ein Burnout zu Beginn mit Hyperaktivität, im weiteren Verlauf mit Leistungsabnahme, emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und Zynismus. Erschöpfung spiegelt sich in Aussagen wider wie: „Ich kann nicht mehr“ oder „So kann es nicht weitergehen“, während Depersonalisation und Zynismus es zunehmend erschweren, eigene Gefühle differenziert wahrzunehmen. Dafür stehen Schuldzuweisungen wie „Wegen denen muss ich jetzt noch arbeiten“ oder entmenschlichende Aussagen wie „Das Prostatakarzinom sitzt in Wartezimmer 2“.

 

Frühzeitig Hilfe suchen, das Team einbinden

 

Werden Symptome für ein Burnout über eine längere Zeit ignoriert, kann sich daraus eine ernstzunehmende Depression entwickeln. Deshalb sollten Betroffene die oben beschriebenen Warnsignale von Körper und Seele ernst nehmen und Hilfe suchen. Geeignete Ansprechpartner sind spezialisierte Coaches und Verhaltenstherapeuten.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) empfiehlt zudem, das eigene Zeitmanagement zu verbessern, Delegationsmöglichkeiten für Aufgaben zu nutzen, auch mal „Nein“ zu sagen und exzessive Überstunden zu vermeiden. Dabei kann das ärztliche Team unterstützen. Fragen Sie sich als Ärztin oder Arzt immer wieder, welche Tätigkeiten eine Mitarbeiterin oder Mitarbeiter übernehmen kann und ob Sie einen neuen Patienten nicht vielleicht an eine Kollegin oder einen Kollegen verweisen können. Die Ansatzpunkte, die alltägliche Belastung zu reduzieren, sind vielfältig.

 

Resilienz – die Geheimwaffe gegen Überlastung

 

Den Stress zu reduzieren, ist eine wirksame Maßnahme, ein Burnout zu vermeiden. Eine andere ist es, Resilienz zu entwickeln. Die Fähigkeit, Krisen zu überstehen, ohne seelischen Schaden zu nehmen, lässt sich erlernen. Der Neurowissenschaftler Raffael Kalisch ist überzeugt*: Resilienz ist kein Schicksal, sondern ein Bewertungsstil. Resilienten Menschen gelingt es, allem Übel noch etwas Gutes abzugewinnen und einen positiven Verlauf der Dinge anzunehmen. Und sie glauben eher, dass sie selbst etwas bewirken können. Kalisch ist Research Group Leader am Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz und hat gerade gemeinsam mit anderen europäischen Forschern die Folgen der Covid-19-Pandemie für die Psyche des Menschen untersucht. Die Ergebnisse der Ende April veröffentlichen Studie**: Fast 90 Prozent der 5.000 Befragten sind von fehlenden sozialen Kontakten gestresst, gut 60 Prozent von der neuen Arbeitssituation zum Beispiel im Homeoffice, etwa genauso viele von familiären Konflikten. Er betont die Wichtigkeit, gerade jetzt die psychische Widerstandsfähigkeit zu verbessern.

Dass Trainings oder Seminare Menschen resilient machen können, daran zweifeln Resilienzforscher. Vielmehr glauben sie, dass uns im Ernstfall die Kräfte zuwachsen, die wir zur Bewältigung der Krise brauchen und wir in der Notlage erkennen, wie stark wir wirklich sind. Das ist doch mal eine gute Nachricht!

 

Informationen zum Thema Burnout und Resilienz

 

Links:

REFERENZEN