Wissen teilen –
Zeit, Geld
und das richtige
Format
 

Je weiter sich die Medizin entwickelt und je komplexer ihre Fragestellungen werden, desto mehr ist Expertenwissen gefragt. Dieses Wissen muss ausgetauscht werden, um Kompetenzen zu erweitern und Therapien zu optimieren

 

Von den Erfahrungen anderer profitieren

 

Hand in Hand arbeiten derzeit Radiologen, Pneumologen und Intensivmediziner mit Experten anderer Fachrichtungen und forschenden Virologen zusammen, um Behandlungsstrategien für Covid-19-Patienten weiterzuentwickeln und zu optimieren. Doch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist nicht nur die Grundvoraussetzung für Fortschritte in der Bekämpfung neuartiger Erkrankungen. Auch in alltäglichen Bereichen der Medizin ist sie ein Erfolgsrezept. Denn wenn Expertisen unter Kollegen geteilt werden, erweitern sich die Kompetenzen und damit die Behandlungsspektren aller. Davon profitieren Ärzte und Patienten.

 

Zeit, Geld und das richtige Format

 

Wichtiges Erfolgskriterium für eine funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit ist der Faktor Zeit: Schnelle Antworten auf die Fragen von Kollegen und ein routinemäßiger Austausch der behandelnden Teams schaffen die Voraussetzung, um gemeinsam die beste Lösung für ein Problem zu finden.

Um Behandlungen wirtschaftlicher und effizienter zu machen, müssen sich die beteiligten Ärzte zudem zu den Therapiezielen eng abstimmen und gemeinsame Entscheidungen möglichst bereits zu Beginn der Erkrankung treffen. Das Gebot lautet: Nicht erst fachspezifisch mit der Methode therapieren, die dem einen Arzt zur Verfügung steht. Der Patient muss viel mehr zunächst allen beteiligten Ärzten vorgestellt werden, bevor die Therapie auf Basis eines gemeinsam erstellten interdisziplinären Konzepts beginnt.

 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit steht über die Lösung von konkreten Patientenfällen hinaus für den Transfer von Wissen aus unterschiedlichsten Bereichen des ärztlichen Alltags. Inzwischen gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, Wissen in Zeiten von Kontaktbeschränkungen digital zu teilen, beispielsweise über coliquio, esanum und das Deutsche Medizin Forum. Diese Fach-Communitys sind eine verlässliche Quelle für Informationen aus allen Fachgebieten und ermöglichen einen schnellen und unkomplizierten Know-how-Transfer. Mitglieder können sich Expertenmeinungen einholen und sich zu ihren medizinischen Interessensgebieten auf dem Laufenden halten. Auch mit Pharmaunternehmen kann man über Fachforen in Kontakt treten.

 

Netzwerken hat Geschichte

 

Dass Kooperationen zwischen Ärzten ökonomisch sind und den Patienten zugutekommen, ist keine neue Erkenntnis. Bereits in den 1980er Jahren bemühten sich Ärzte um kooperative Berufsausübungsformen, um dem steigenden Kostendruck im Gesundheitswesen zu begegnen. Daraus entstanden Ärztenetze – regionale Zusammenschlüsse von ärztlichen Partnern verschiedener Fachrichtungen und anderer Leistungserbringer wie Physiotherapeuten, Apotheken und Pflegedienste. Heute gibt es in Deutschland rund 400 Netze, denen schätzungsweise 30.000 Ärzte angeschlossen sind (Quelle: Agentur deutscher Arztnetze e.V.). Sie haben zum Ziel, die berufliche Situation niedergelassener Ärzte zu optimieren, die Kommunikation der Ärzte untereinander zu verbessern und die Angebotsstrukturen der einzelnen Leistungserbringer zum Wohle der Patienten aufeinander abzustimmen.

 

Netzwerken hat Geschichte

 

  • Bauen Sie Ihr eigenes örtliches Netzwerk auf – mit einfachsten Mitteln. Bitten Sie bewährte Partner aus dem ärztlichen und therapeutischen Bereich um ihre Visitenkarten und geben Sie diese bei Bedarf an Ihre Patienten aus. Umgekehrt empfehlen Sie sich bei den Patienten Ihrer Partner mit Ihren Visitenkarten.
  • Schließen Sie sich einem regionalen Arztnetz an, eine Übersicht der Netze in Deutschland finden Sie auf der Webseite der Agentur deutscher Arztnetze e.V. Informieren Sie sich vor der Kontaktaufnahme, welche Kooperationsform zu Ihnen passt. Neben verschiedenen Praxisnetzarten gibt es Kooperationen mit Krankenhäusern, Berufsausübungsgemeinschaften und das Modell der Integrierten Versorgung (IV).
  • Testen Sie die digitalen Ärzte-Communitys coliquio und esanum und finden Sie heraus, ob der virtuelle Austausch mit Kollegen Ihre Erwartungen erfüllt und Ihnen einen echten Mehrwert bietet. Beide Communitys sind kostenlos und unabhängig, Mitglieder sind ausschließlich approbierte Ärzte.
  • Viele Kliniken und Universitäten bieten Medizinern die Möglichkeit, an Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen – auch mit interdisziplinären Themen. Erkundigen Sie sich nach entsprechenden Angeboten auf den Webseiten der Einrichtungen in Ihrer Nähe. Absolventen medizinischer Hochschulen können zudem Alumni-Netzwerke nutzen, über die sie nach dem Studium mit Kollegen Kontakt halten und an Veranstaltungen teilnehmen können.
  • Auch wenn viele Kongresse zurzeit abgesagt oder verschoben werden: Behalten Sie den Veranstaltungskalender Ihrer Fachgesellschaft im Auge und nutzen Sie virtuelle Angebote. Moderne Videokonferenztechnologie macht den Informations- und Wissensaustausch auch digital bequem möglich – so schließen Sie die Lücke bis zur nächsten persönlichen Begegnung mit den Kollegen.
  • Beachten Sie immer den Faktor Zeit! Interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn der fachliche Austausch zügig und auf kurzen Wegen erfolgt. Antworten Sie selbst zeitnah auf Anfragen von Kollegen und nehmen Sie Terminvorschläge für (virtuelle) Besprechungen an – auch, wenn es im Terminkalender eng wird.